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Digitale Souveränität beginnt bei der Architektur. Wie stark koppeln wir unsere Systeme an einzelne Anbieter, wie behalten wir die Kontrolle über Modelle, Daten und Kosten, und wie bauen wir Produkte, die auch dann noch funktionieren, wenn sich Preise, Verfügbarkeiten oder regulatorische Rahmenbedingungen ändern?

Bei dieser Ausgabe der INNOQ Technology Night in Köln nähern wir uns dem Thema aus zwei Perspektiven: Phillip Ghadir plädiert für einen souveränen Umgang mit den eigenen Systemen und zeigt, welche Architekturansätze langfristig tragfähig bleiben. Nicolas Inden gibt anschließend Einblick in einen konkreten KI-Stack, den wir bei INNOQ mit Open-Weights-Modellen und quelloffener Software aufgebaut haben.

Der erste Vortrag startet um 19:00 Uhr. Im Anschluss bleibt Zeit für Austausch bei Snacks und Getränken. Wir freuen uns auf Euch!

18:30 | Doors open
19:00 | „Dezentrale Softwarearchitekturen in Zeiten der Generativen KI“ mit Phillip Ghadir (INNOQ)
20:00 | „Souveräne KI betreiben: Jenseits von Claude und ChatGPT“ mit Nicolas Inden (INNOQ)
21:00 | Netzwerken

Die Talks:

„Dezentrale Softwarearchitekturen in Zeiten der Generativen KI“
Phillip Ghadir, INNOQ

Wir dürfen unsere Systeme nicht so bauen, als stünde ein bestimmtes Frontier-Modell jederzeit, günstig und in gleichbleibender Qualität zur Verfügung: (intransparente) Kontingente, Preisschwankungen, Exportkontrollen, abgekündigte Modellversionen und nicht zuletzt der Energieverbrauch für wiederkehrende Funktionen verbieten das. Kein Produkt sollte derzeit eng an ein einzelnes Modell oder einen einzelnen Anbieter gekettet sein.

In diesem Vortrag plädiere ich für einen souveränen Umgang mit unserer IT. Wir als Unternehmen, IT-Verantwortliche und IT-Architekten sollten ein gemeinsames Verständnis von Souveränität entwickeln und operativ nutzen, um unser Schicksal weiter selbst zu gestalten.

Dabei haben wir in Europa Chancen jenseits des Hypes. Wir müssen den klassischen Treibern – Zentralisierung der Kontrolle, globale Skalierung – gar nicht folgen; die Ressourcen dafür liegen ohnehin auf anderen Kontinenten. Stattdessen verschieben sich unsere Architekturtreiber: Anbieterabhängigkeit wird zum Entwurfskriterium, und das Threat-Model umfasst nicht mehr nur technische, sondern auch geopolitische und regulatorische Risiken. Wechselseitige Abhängigkeiten sind dabei nichts Schlechtes, solange sie positive Wechselwirkungen hervorrufen statt einseitiger Kontrolle.

Deshalb geht der Vortrag auf etablierte Architekturansätze ein, um langfristig tragfähige Systeme zu konzipieren und so eine Basis für eine Architektur der unterschiedlichen Geschwindigkeiten zu etablieren. Das prominenteste Vorbild ist das WWW selbst: entworfen für lose gekoppelte, unabhängig entwickelbare Teilnehmer. REST im ursprünglichen, Fielding’schen Sinne – nicht im heutigen “JSON-API über HTTP”-Verständnis – ermöglicht eine gewisse Konstanz, während sich drum herum Praktiken, Techniken und Herausforderungen weiterhin drastisch verschieben. Statt eine App um ein bestimmtes Modell herum zu bauen, lohnt es sich, ein guter Teilnehmer am Web zu werden.

Am Ende steht ein Blick darauf, wo Kopplung an einzelne Anbieter entsteht, welche davon bewusst gewählt ist und welche regelmäßigen Investitionen mittelfristig handlungsfähig halten.

Über Phillip:
Phillip Ghadir ist Geschäftsführer bei INNOQ und berät Kund:innen in Fragen rund um Softwarearchitektur, -technik und -entwicklung. Darüber hinaus gibt er regelmäßig Trainings zum Thema Softwarearchitektur.

Souveräne KI betreiben: Jenseits von Claude und ChatGPT
Nicolas Inden, INNOQ

KI im Projektalltag muss heute mehr leisten als beeindruckende Antworten liefern. Sie muss kalkulierbar, datenschutzkonform und resilient sein. Proprietäre US-Modelle zeigen hier vor allem bei restloser Datenlöschung nach der Nutzung und Abhängigkeit von Anbieterpolitik und Verfügbarkeit Probleme. Gleichzeitig haben Open-Weights-Modelle 2026 einen Reifegrad erreicht, der sie zu einer ernsthaften Alternative oder Ergänzung macht. In diesem Vortrag zeigen wir, wie wir bei INNOQ mit quelloffener Software und Open-Weights-Modellen einen KI-Stack aufgebaut haben, der drei zentrale KI-Anwendungsszenarien abdeckt:

  • KI zur Coding-Unterstützung über Coding Agents im Entwickler-Alltag,
  • KI als Fachexperte für Domänen- oder Firmenwissen, und
  • KI als integraler Bestandteil eines Produkts über eine einheitliche API.

Im Mittelpunkt steht dabei eine Architektur, die Kontrolle über Zugänge, Modelle, Kosten und Daten zurückgibt, ohne dass Agenten oder Anwendungen bei einem Anbieterwechsel angepasst werden müssen. Wir geben Einblick in die konkrete Architektur, teilen Konfigurationsmuster und Lessons Learned und diskutieren, wann sich der Aufwand lohnt und wann Claude oder GPT weiterhin sinnvoll sind.

Über Nico:
Nicolas ist Senior Consultant bei INNOQ und fungiert als Brücke zwischen Fachbereich und Technik mit langjähriger Erfahrung im Produktmanagement und Product Ownership, sowie der Anwendungsentwicklung. Sein Schwerpunkt liegt auf modernen Webanwendungen, insbesondere der datenschutzfreundlichen KI-Integration sowie der Umsetzung souveräner Infrastrukturen.

Begrenzte Plätze: Bitte updatet eure Teilnahme, wenn etwas dazwischenkommt. Das erleichtert uns die Planung!

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