Klimawandel in Europa
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Europa ist der Kontinent, der sich am schnellsten erwärmt – seit 1976 um rund zwei Grad. Was das konkret bedeutet, erleben wir gerade in Echtzeit: Rekordhitze, historische Niedrigwasserstände und eine Energieversorgung, die an ihre Grenzen kommt. Bei diesem Meetup wollen wir uns die aktuelle Lage anhand konkreter Daten anschauen und gemeinsam diskutieren, was das für Europa – und für uns – bedeutet.
🌡️ Hitzetage und Rekordtemperaturen
Vom 18. bis 28. Juni 2026 lag Deutschland elf Tage lang unter einer Hitzeglocke. Am 27. Juni wurden im sachsen-anhaltischen Möckern-Drewitz 41,8 Grad gemessen – ein neuer deutscher Allzeitrekord, der die alte Bestmarke von 41,2 Grad aus dem Juli 2019 übertraf. An 252 Wetterstationen wurde der höchste Wert seit Aufzeichnungsbeginn registriert. Laut einer Attributionsstudie des DWD wäre ein Ereignis dieser Intensität in einem 1,3 Grad kälteren Klima statistisch unmöglich gewesen.
⚰️ Hitzetote
Die gesundheitlichen Folgen sind dramatisch: Allein für die deutsche Junihitze schrieb das Robert-Koch-Institut im Zeitraum 25. Juni bis 5. Juli rund 6.020 Todesfälle der Hitze zu. Europaweit sind die Zahlen noch gewaltiger – für den Sommer 2025 schätzte eine Studie des Imperial College London rund 24.400 Hitzetote in 854 Städten, von denen etwa 16.500 auf den Klimawandel zurückgeführt wurden. Der Rekordsommer 2024 kostete über 62.000 Menschen das Leben. Ohne wirksame Gegenmaßnahmen könnten bis 2050 jährlich über 120.000 Menschen in Europa an Hitzefolgen sterben.
🚢 Die Donau am historischen Tiefstand
Die Trockenheit legt eine wichtige europäische Verkehrsader lahm. Ein trockenes Frühjahr, die ausgebliebene Schneeschmelze und die hohen Temperaturen drückten die Wasserstände seit Mitte Juni weit unter die üblichen Werte. In Ungarn saßen rund 15 Kreuzfahrtschiffe fest, Frachter dürfen teils nur noch 10 bis 20 Prozent ihrer Ladung transportieren. Das extreme Niedrigwasser gab an manchen Stellen sogar versunkene Wracks und ein prähistorisches Mammutskelett frei.
⚛️ Atomkraftwerke unter Druck
Ausgerechnet die vermeintlich verlässlichen Grundlastkraftwerke geraten ins Wanken. In Frankreich mussten mehrere Reaktoren – etwa Bugey, Nogent-sur-Seine und Golfech – gedrosselt oder abgeschaltet werden, weil das Flusswasser zu warm wurde, um es zur Kühlung zu nutzen, ohne die Ökosysteme zu gefährden. Während der Junihitze verlor Frankreich zeitweise 8,5 Gigawatt Kapazität – 14 Prozent. In der Schweiz drohte dem AKW Beznau die Abschaltung, weil die Aare drei Tage lang über 25 Grad lag. Im ungarischen Paks wurde ein Block wegen des Donau-Niedrigwassers auf nur noch zwölf Prozent Leistung gedrosselt, und in Rumänien erhöhten Marinesoldaten mit Sprengungen den Wasserstand für das AKW Cernavodă. „Noch nie gab es so früh im Jahr so viele Produktionsausfälle", so der Atompolitikberater Mycle Schneider.
